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Supportive Therapie - Notfalltherapie

Notfalltherapie

Kompression des Rückenmarks

Hirnmetastasen/Hirnödem

Vena-cava-superior-Syndrom (VCS-S)

Tumorlyse-Syndrom (TLS)

Hyperkalzämie

Pathologische Frakturen

Literatur


 

Kompression des Rückenmarks

 

Ursache: I. d. R. Wirbelkörpermetastasen, seltener Met. im Bereich des Rückmarkes, der spinalen Meningen oder Weichteilmet. im Paravertebralbereich mit direktem Einwachsen in den Spinalkanal. Wirbelkörpermet. meist osteolytisch (70 %), selten osteoplastisch (10 %) oder gemischt (20 %). Häufigste Primärtumoren: Mamma-, Lungen-, Prostata- und Nieren-Ca., meist mehr als ein Wirbelkörper befallen.

 

Symptome: Frühsymptome: radikuläre Schmerzen durch Infiltration oder Kompression der Spinalnerven. Bei Nachweis einer Schwäche der beteiligten Muskeln oder neurologischer Symptomatik i. Sinne einer Hyper- oder Hyporeflexie besteht eine Notfallsituation, aus der sich nicht selten in Stunden eine Parese bis zur Paraplegie entwickeln kann. Auf Störung der Blasen- und Mastdarmfunktion achten. Die notwendige Diagnostik darf nicht bis zum nächsten Morgen verschoben werden, da bei manifester Spinalkompression mit Parese nur in Ausnahmefällen volle Rehabilitation möglich.

 

Diagnostik: MRT (i. d. R. ± Kontrastmittel) ist Untersuchung der Wahl, da mit ihr die gesamte Wirbelsäule erfasst werden kann. CT dient nur der Abschätzung der Knochendestruktion. Ein Knochenszintigramm zeigt die Topographie der Metastasierung, nicht aber das Ausmaß der Destruktion und erfasst nicht die Kompressionsproblematik. Das konventionelle Rö. zeigt erst bei 70 % Destruktion einen pathologischen Befund.

 

Therapie: Therapieentscheidung interdisziplinär. Nach Diagnosestellung der RM-Kompression sollten Strahlentherapeut u. Neurochirurg umgehend hinzugezogen werden. Die Behandlung muss unmittelbar beginnen:

 

  1. Kortikosteroide: Bei klinischem Verdacht (radikuläre Schmerzen, neurologische Defizite) sofort Dexamethason 10–20 mg i.v. und weiter 4–8 mg alle 6 h p.o.
  2. RTx: Indikation: Strahlensensibilität des Tumors und schwieriger Zugang oder Kl zur Op. Die RTx ist bei schon akut eingetretenem Querschnittsyndrom meist nicht in der Lage, wenig strahlensensible Tumortypen schnell (d. h. innerhalb der Erholungsmöglichkeit des Nervengewebes) in der Größe zu reduzieren (z. B. Prostata-Ca.). Vorteile der RTx: flächendeckende und schnelle Verfügbarkeit und die Option, mehrere Herde gleichzeitig anzugehen. Postoperativ ist i. d. R. eine RTx notwendig, da es nur in Ausnahmefällen gelingt, durch die Resektion alle Tumoranteile zu entfernen. Dosierung: GD 40–45 Gy in ED von 2 Gy, evtl. in den ersten Tagen bis 4 Gy; oder akzelerierte Fraktionierung mit ED à 3 Gy bis 30 Gy GD (bei vorwiegend palliativer Strategie, kürzerer Lebenserwartung).
  3. Operation: Standardnotfalltherapie ist die Dekompression z. B. durch Laminektomie, um das Rückenmark zu entlasten. Ob die Dekompression von dorsal ausreicht, hängt vom individuellen Fall ab. Ggf. zusätzliche dorsale Instrumentierung durch Fixateur interne nötig. Evtl. Tumorteilresektion über lateralen Zugang (am Thorax ggf. Costotransversektomie) erforderlich. Op von ventral mit Wirbelkörperersatz an der HWS häufiger indiziert. Im thorakolumbalen Bereich ist die Indikation sehr sorgfältig zu stellen und hängt von der Gesamtprognose ab, da Op invasiv. Perkutanes Zementieren des Wirbelkörpers durch Vertebroplastie oder Kyphoplastie im Rahmen der Schmerztherapie ebenfalls in bestimmten Fällen mögl. Bei ausgewählten Pat. vollständige Rehabilitation mögl.

 

Hirnmetastasen/Hirnödem

 

Ursache: Zerebrale Metastasen sind ein Problem vieler Tumoren, insbes. bei kleinzelligen und nichtkleinzelligen Bronchial-Ca., Mamma-Ca. und malignen Melanomen. Bei anderen Karzinomen (gastrointestinale Karzinome) waren Hirnmetastasen früher eine Seltenheit, jetzt werden sie bei längeren ÜLZ durch eine bessere Systemtherapie häufiger.

 

Symptome: Frühsymptom häufig diffuse oder lokale Kopfschmerzen, aber viele andere neurologische Symptome (Wesensveränderung, Konzentrationsschwäche, Sprach- und Wahrnehmungsstörungen, Lähmungen, Krampfanfälle) können zusammen oder einzeln auftreten. Bei Nichtbehandlung vollständige Lähmungen (Hemiplegie) und Bewusstlosigkeit mögl. Letztendlich ist die Lokalisation der Meta. für die Symptomatik verantwortlich.

 

Diagnostik: Klinisch i. d. R. schleichender Verlauf, sehr selten abrupter Beginn, der eher für eine vaskuläre Genese der Beschwerden spricht. MRT dem CT überlegen, da im CT kleinere Läsionen oder das Ausmaß des Hirnödems nicht so genau erfasst werden können. Liquorpunktion zum Nachweis einer Leptomeningiosis erst nach klin. oder radiologischem Ausschluss einer Liquorabflussstörung.

 

Therapie: Sofort (evtl. auch bei Verdacht) Dexamethason 20–40 mg i.v., dann weitere 4–8 mg alle 6 h p.o. oder i.v. Mannitol-Therapie dazu begleitend mögl., meist aber zunächst nicht erforderlich. Dosierung: Mannitol 20 % (z. B. Osmofundin) 100 ml über 30 min alle 6–8 h über 24 h, dann langsam ausschleichend über 3 d. Nach klinischer Besserung bei solitären Met. i. d. R. neurochirurgische Resektion; bei bis zu 4 Met. evtl. stereotaktische Konvergenzbestrahlung. Bei mehreren Met.: Ganzhirnbestrahlung; HD 40 Gy, ED 2 Gy, oder 30 Gy, ED 3 Gy (akzelerierte Fraktionierung). In bes. Fällen auch (stereotaktische) Bestrahlung einzelner Metastasen. In diesem Falle und nach Resektion zusätzliche Ganzhirnbestrahlung indiziert → längere Remissionsdauer.

 

Eine neurochirurgische Behandlung eines metastaseninduzierten Hydrozephalus durch endoskopische Ventrikulozisternostomie, externe Liquordrainage oder Shuntoperation kann erforderlich sein.


 

Vena-cava-superior-Syndrom (VCS-S)

 

Ursache: Die Lage der Vena cava superior direkt neben den Lk. im oberen Mediastinum macht diese bes. anfällig. Das dünnwandige Gefäß kann leicht von außen komprimiert und/oder durch Thrombosen verschlossen werden. Hauptursache sind Bronchial-Ca. und maligne Lymphome.

 

Symptome: Ödem im Kopf- und Halsbereich (evtl. Arme), Dyspnoe, Husten, Kopfschmerzen. Klinische Untersuchung: gestaute Halsvenen, evtl. Kollateralkreislauf über die Thoraxwand, Zyanose und Gesichtsödem, evtl. zervikale Lk. tastbar.

 

Diagnostik: Rasche Diagnostik mitttels Ultraschall. Für Therapieplanung ist ein CT erforderlich. Da das VCS-S häufig Primärsymptomatik ist, muss eine histologische Sicherung Klarheit bringen. Wenn möglich Lk.-Punktion oder PE (keine Mediastinoskopie!) oder Bronchoskopie.

 

Therapie: Ruhe, Sauerstoff, antiödematöse Therapie mit Furosemid (20–40 mg i.v.) und Dexamethason (10–20 mg initial i.v. dann 4–8 mg alle 8 h p.o.). Bei massiver Drucksymptomatik ist die endovaskuläre Stentimplatation Therapie der Wahl. Zur Beseitigung der Kompressionsursache sollte gleichzeitig die RTx des Tumorareals eingeleitet werden. Das VCS-S ist kein strahlentherapeutischer Notfall mehr (außer bei gleichzeitiger Obstruktion der Atemwege durch Kompression der Trachea oder Larynxödem). Einleitung einer lokalen RTx, HD 40–60 Gy, ED 2 Gy, in den ersten Tagen bis zu 4 Gy. Bei Kompression durch CTx-sensible Tumoren (NHL, SCLC, Keimzelltumoren) primäre CTx. Bei Thrombosen Antikoagulation, ggf. fibrinolytische Therapie oder in Einzelfällen op. Maßnahmen.


 

Tumorlyse-Syndrom (TLS)

 

Ursache: Bei schnell proliferierenden Tumoren (kleinzelliges BC) oder hämatologischen Neoplasien (akute Leukämien, Burkitt-Lymphom u. a.) mit hoher Anzahl CTx-sensibler Zellen (Leitbefund: hohe LDH) kann es unter der ersten CTx zu einer Zerstörung so großer Zellmengen kommen, dass die Niere die große Masse der anfallenden Abbauprodukte nicht bewältigen kann. Es kommt zur Hyperurikämie mit Nierenversagen, Hyperkaliämie, Hyperphosphatämie und daraus resultierend zur Hypokalzämie. Pat. mit primär schon eingeschränkter Nierenfunktion sind besonders gefährdet.

 

Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Lethargie, Nierenversagen, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen, Krämpfe, Synkope.

 

Labor-Kriterien für TLS:

 

Harnsäure

> 8 mg/dl oder > 25 % Anstieg gegenüber Wert vor Therapiebeginn

K+

> 6 mmol/l oder > 25 % Anstieg

Phosphor

> 1,45 mmol/l oder > 25 % Anstieg

Ca2+

< 1,75 mmol/l oder > 25 % Abfall

 

Therapie:

 

a) Prävention:
– Allopurinol 300 mg/d;
am Tag vor der CTx
bis zu 3 ´ 300 mg
– ausreichende Flüssigkeitszufuhr
– Beginn der CTx mit
reduzierter Intensität,
„Vorphasen“-Therapie

b) Therapie:
Basis:
– Allopurinol (bis zum Einsatz von Rasburicase)
– Hydrierung bis zum Urinfluss von 150–200 ml/h,
ggf. Furosemid
– Rasburicase (Fasturtec) Dosis: 0,2 mg/kg Inf. (30 min) tgl. über 5–7 Tage (dann kein Allopurinol zusätzlich!)
– Kalium-Senkung (Glucose 200 ml 20 % + 20 I.E. Insulin, Resonium u. w. Maßnahmen)
– Indikation zur Dialyse großzügig stellen
kritisch diskutiert:
– Urinalkalisierung (wg. Kalziumphosph.-Löslichkeit u. Xanthin-Nephropathie; bei Rasburicase überflüssig)
–  Kalzium-Substitution (nur bei klinischen Symptomen indiziert!)


 

Hyperkalzämie

 

Symptomatik und Therapie siehe Osteoprotektive Therapie


 

Pathologische Frakturen

 

Interdisziplinäres Konsil: Unfallchirurgie-Orthopädie/Neurochirurgie/RTx. I. d. R. zunächst operative Stabilisierung und anschließende RTx. Primäre Maßnahme: Ruhigstellung, konsequente Schmerztherapie.


 

Literatur

 

  • Coiffier B, Altman A, Pui CH et al: Guidelines for the management of pediatric and adult tumor lysis syndrome: an evidence-based review. J Clin Oncol 2008; 26: 2767–78
  • Nguyen NP, Borok TL, Welsh J et al: Safety and effectiveness of vascular endoprosthesis for malignant superior vena cava syndrome. Thorax 2009; 64: 174–8